Argumente für S/W habe ich folgende gehört:
Die Farbe lenke vom Wesentlichen ab
Die Fotos wirken "natürlicher"
Technische Argumente:
Filmmaterialauswahl ist größer, weil bis ISO 3200 im Handel
Grobe Körnung würde bei S/W - im Gegensatz zu Farbe - gut "wirken" - insbesondere bei großen Abzügen.
Wer die Auswahl der Fotos für Schaukästen und Programmhefte trifft, dürfte von Haus zu Haus unterschiedlich sein. (Werbeabteilung, Pressestelle, Dramaturg, Intendant...)
Die erste Auswahl trifft aber der Fotograf. (Der sollte nie seinen Ausschuss zeigen. Gibt nur Ärger

)
Leider ist es an Theatern - wegen Personaleinparung - üblich geworden, die Erstellung der Programmheften Werbeagenturen zu überlassen. Die haben von Theater wenig Ahnung und werden halt irgendwie - aber wenig in Bezug auf das Stück und die Inszenierung - kreativ.
Programmhefte bilden deshalb nur selten eine Einheit mit dem, was auf der Bühne passiert.
Vergessen darf man nicht, dass die Programmhefte vor der Premiere gedruckt werden müssen. Redaktionsschluss dafür ist fast immer früher als die Fotoprobe. Daher rüht auch, dass Programmhefte oft den von dir beschriebenen Mangel aufweisen.
Dass Theaterfotos oft Perspektiven haben, die der Zuschauer nie zu sehen bekommt, liegt daran, dass manche Fotografen nicht reproduzieren, sondern selbst Kunst machen wollen.
Für mich war der Ansatz immer der, dass Darsteller, Regie, Bühnenbilder, die Beleuchter usw. die Künstler sind. Meinen Job habe ich so verstanden, dass ich die "fertige Kunst" auf das Bild bringe.
Was soll Theaterfotografie leisten? (das ist eine große Frage in meiner Arbeit und ich weiß es einfach nicht genau. Dokumentieren? Archivieren? Werben? Illustrieren? Irgendwie alles...
Fotos werden auch zur Dokumentation gemacht. Schon aus dem Grund, dass Bühnentechnik, Requisite usw. eine Arbeitserleichterung haben.
Die Presse will den Skandal: den blanken Busen, die zerhackte und blutverschmierte Schaufensterpuppe... Und die Presse will den Star: Harald Schmidt, No-Angel Lucy
Theaterfotos sind aber auch Zeitdokumente: Der junge Horst Tappert in seinen ersten Rollen. Wer hätte das geahnt!
aber was macht dann ein gutes Theaterfoto aus?)
Idealerweise erkennt man das Stück auf dem Foto! Ein gutes Theaterfoto sollte die Stimmung der Szene 1 zu 1 auf das Papier bringen: Gleich schlägt er zu! Sie ist verzweifelt! Hier haben wir das große Finale!
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In der Praxis - also im Theateralltag - sieht es dann noch so aus, dass alle Beteiligten hohe Erwartungen an die Fotos haben. Es müssen Befindlichkeiten berücksichtigt werden. Der Proporz muss stimmen usw. Das Ergebnis ist oft die "Schere im Kopf", quasi eine Art Zensur. Ein großes Thema für sich.
Viele Grüße
Frank