Ödipus-Komödie

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Ödipus-Komödie

Beitragvon Theodor Rieh am 14. Oktober 2009, 18:08

Hallo Leute,

mit meiner Frage wende ich mich vor allem (aber nicht nur) an die Theaterprofis unter euch.

Vor nunmehr 15 Jahren habe ich ein Theaterstück "König Ödipus" geschrieben. Okay, ich gebe zu, daß das nicht sonderlich originell ist, der Kollege Sophokles ist bereits vor über 2000 Jahren auf diese Idee gekommen, Aischylos und Euripides haben sich auch dran versucht und in der Folgezeit noch so etliche andere, von Seneca über Voltaire bis zu André Gide.

Das Merkwürdige an meinem "König Ödipus" ist nun allerdings der Umstand, daß ich die Geschichte als Komödie geschrieben habe. Gut, auch hier kommt der Einwand, daß dies nicht sonderlich neu und originell sei, auch das hätten schon andere versucht, von August Graf von Platen bis hin zu etlichen Ödipus-Verulkungen aus neuer und neuester Zeit.

Richtig. Das Eigenartige an meinem Stück ist nun allerdings der Umstand, daß ich den Ödipus-Stoff und die darin enthaltenen Konflikte sehr ernst nehme und trotzdem daraus eine Komödie mache. Möglich wird das dadurch, daß ich mir die Geschichte aus heutiger Perspektive betrachtet und dabei eine winzige Akzentverschiebung vorgenommen habe - und schon kippt die Geschichte um. Sie wird eine andere Geschichte, obwohl sich an der Ausgangssituation und am groben Handlungsverlauf nichts geändert hat - bis auf das Ende, das bei mir ein bißchen anders ist.

Das Stück ist, wie gesagt, bereits 15 Jahre alt, das Manuskript ist mittlerweile durch nahezu sämtlichen deutschsprachigen Theater und Theaterverlage getingelt, gespielt wurde es bislang noch nicht.

Um den naheliegenden Einwand zu entkräften, es sei dann halt das Stück dilettantisch konstruiert und in der sprachlichen Gestaltung unbeholfen, muß ich leider ein bißchen protzen. Etliche der Leute, allesamt Leute vom Fach, denen ich mein Stück geschickt habe, haben mir bestätigt, daß es professionelle Qualität habe. Der Dramaturg eines der führenden Theaterverlage bescheinigte dem Stück, es verrate "Gespür für szenischen Witz, Dialogführung und Pointensetzung." Ich gehörte "zu der seltenen Gattung zeitgenössischer Autoren, die bühnenwirksam schreiben können".

Na, ist das nix?

Letztlich hat er das Stück dann aber wegen der Wahl des Stoffes abgelehnt. "Wir haben große Schwierigkeiten, uns vorzustellen, daß es gelingen könnte, die Theater von der Notwendigkeit der Aufführung einer weiteren Ödipus-Bearbeitung zu überzeugen". Das hört sich an, als sei die Theater- und Literaturgeschichte bis zum Überdruß voll mit Ödipus-Komödien.

Nun ist es ja nicht so, daß derzeit kein Interesse am Ödipus-Stoff bestünde. Im Gegenteil, es wimmelt im Moment im deutschsprachigen Raum geradezu von Ödipus-Aufführungen, zuletzt im Doppelpack mit Antigone. Wo es kein übermütiger Ulk ist, ist es blutig-ernste Tragödie.

Wieso bleibt dann mein Stück auf der Strecke? Gut, Stücke von unbekannten Autoren sind immer ein geschäftliches Risiko für ein Theater. Auf der anderen Seite denke ich mir, daß jemand, der sich auch nur ein bißchen für Theater interessiert, zumindest neugierig wird, wenn er hört, es habe einer die Tragödie aller Tragödien zu einer (den Stoff ernstnehmenden, nicht verulkenden!) Komödie umgestaltet. "Das kann nur schiefgehen", sagt er sich. "Da will ich dabei sein, wenn dieser Irre mit Pauken und Trompeten untergeht."
Und schon hat das Theater die Bude voll und der Kassier strahlt.

Und selbst für den Regisseur/Dramaturgen/Intendanten ist das künstlerische Risiko bemerkenswert gering. Kommt das Stück an - umso besser. Fällt es durch, so wird man schreiben: "Sie haben das nahezu Unmögliche gewagt und sind (grandios, versteht sich) gescheitert."

Also - kann mir einer sagen, wieso sich keine Sau für mein Stück interessiert?

Ciao
Wolfram
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Theodor Rieh
 
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