von frexx am 9. Oktober 2006, 01:57
Hallo Erika und alle anderen Studiums-Unschlüssigen!
Deine Frage nach dem "Was bringt das?" habe ich mir vor einem Jahr auch gestellt und mir eigentlich nicht vorstellen können, Theaterwissenschaft zu studieren. Doch irgendwie ergab sich das dann - ich brauchte sehr plötzlich und schnell ein Nebenfach und die Theaterwissenschaft hatte noch welche frei. Warum also nicht doch das studieren, woran ich Freude habe?!
Die Erfahrungen bis jetzt, ich studiere übrigens in Berlin an der FU bei Frau Fischer-Lichte, sind sehr unterschiedlich. Ich habe in den letzten 13 Jahren in ca. 5 Gruppen mitgespielt, 12 Produktionen mitgemacht. Davon 4 Gruppen im Schauspiel und eine als Regisseur. Praktische Tätigkeit hatte ich also, vor allem wenn man ein paar kleinere Praktika noch dazurechnet.
Das Studium, das muss einem wirklich bewusst sein, ist ein überwiegend theoretisches. Es ist eben eine Wissenschaft, keine Schaupiel- oder Regieausbildung. Man lernt also weniger, mit Texten/Stücken umzugehen, oder diese darzustellen, sondern Theater/Tanz/Performances usw. zu SEHEN und diese Vorgänge zu beschreiben, in einem historischen Kontext zu erkennen, aber auch einfach nur aus heutiger, persönlicher Sicht zu beschreiben. Die Frage: wie funktioniert "das" eigentlich? Wie können Worte in andere Zeichensysteme (Stimme, Körper, Musik) umgewandelt werden, was passiert dabei, wie kann das wirken?
An der Freien Universität gibt es eigentlich nur zwei Modulteile, in denen man ein wenig ausprobieren kann. Im "Szenischen Projekt" behandelt man ein Semester lang ein vorgegebenes Thema (bei uns "Schwärme") und versucht diese in unterschiedlichen Varianten darzustellen. Das weitaus aktivere ist das Praxismodul im ABV (Allgemeine Berufsvorbereitung), in dem drei bis sechs Studenten etwas erarbeiten sollen - von Lesung über regiebuch ist vieles möglich.
Und dennoch: man wird Wissenschaftler. Wenn Dir Schauspielerei eher liegt, könnte Dir so ein Studium zu theoretisch, zu weit von Dir selbst und der Sache an sich sein. Für Regieinteressierte ist es vielleicht eine gute Grundlage.
Aber wie schon vor mir gesagt wurde, vor allem mit der zusätzlichen Fächerwahl konkretisierst Du schon. Ich studiere Publizistik dazu, könnte also ziemlich gut später bei Zeitungen unterkommen - konzentriere mich aber mit meinem Job, den ich mache, sehr auf Kulturmanagement.
Schau Dir, auch wenn Du wahrscheinlich inzwischen schon studierst, die Vorlesungsverzeichnissse der Unis an. Die reinen Studienbeschreibungen sind meistens allgemeiner und "netter" geschrieben. Im VV und an den Veranstaltungsbeschreibungen erkennt man meist sehr gut, wovon das Studium handelt und kann deshalb eine sehr gute Orientierung geben.
Norman