von LGmartin am 13. Februar 2004, 12:18
Den Ausführungen des "Operettenfreundes" kann ich zum Teil zustimmen,muß aber in einigen Details doch widersprechen.
Ich denke zuallererst,daß es - zwecks sinnvoller Fortführung dieses Diskussionsfadens -gilt,eine Art (wohl schwierig zu positionierende) Trennlinie innerhalb dieses Genres zu ziehen und zwischen Revueoperetten a la "Blume von Hawaii" und der klassischen Form eines "Zigeunerbarons" und ähnlicher Werke zu unterscheiden.
Für erstere Erscheinungsform gilt natürlich die Maxime "bunt und lustig", ohne krampfhaft unter der Oberfläche nach Tiefgrund zu suchen.
Wenden wir uns allerdings der klassischen Operette zu ,darf man nicht vergessen,daß sie ursprünglich aus der oper buffa entstanden ist (im 18.Jahrhundert nannte man ins Deutsche übersetzte ´Opere buffe` Operette) und sowohl in ihrem musikalischen Anspruch als auch ihren dramaturgischen Aspekten der Oper in herkömmlichem Sinn völlig ebenbürtig ist.
So gesehen darf man der Operette auch nicht grundsätzlich politische Dimensionen absprechen.
Offenbachs Operetten z.B. sind ja meistens fleischgewordene Politsatiren,und die Tatsache,daß die Wiener Operette quasi in den Wiener Vorstadt(Bürger-)theatern entstanden ist,weist mehr als deutlich auf ihre politischen Ansprüche hin.
Natürlich - krampfhaft in eine Operette hineininterpretieren zu wollen,was nicht ´drin ist ,macht keinen Sinn.Gleiches gilt aber auch für die Oper.
Wer schätzt nicht die beißende gesellschaftspolitische Kritik eines Offenbach´schen "Orpheus",der Umgang des Kurfürsten im "Vogelhändler"mit dem weiblichen Bürgertum steht in seiner herrschaftlichen Arroganz auf einer Stufe mit dem Figaro-Grafen bei Mozart und wenn sich im "Zigeunerbaron" der Titelheld trotzig dem Volk zuwendet,das im 3.Reich ähnliche Verfolgung,Unterdrückung und Not zu leiden hatte,wie das jüdische,und noch immer gegen Vorurteile zu kämpfen hat,kriegt das durchaus große politische Dimension.
Das eigentliche Problem der Operette ist meines Erachtens nach das aussterbende Ensembletheater.Denn nur dort könnte sie die Pflege erhalten,die ihr zusteht.